Muskel gezerrt, Knöchel gestaucht, Sehne gereizt: Weichteilverletzungen dieser Strukturen betreffen Aktive aller Altersklassen im Freizeit- oder Breitensport.
In der Akutversorgung gelten Konzepte, die in der Durchführung einfach, für den Rehabilitationserfolg aber entscheidend sind. Die unverzügliche Anwendung dieser Maßnahme ist hierbei von besonderer Bedeutung (siehe meinen Blogartikel: „a minute away cost rehab a day“).
Diese Maßnahmen dienen vor allem dazu Folgeschädigungen durch lokale Einblutung oder Verschlimmerung der Verletzung durch Aufrechterhaltung der Belastung zu vermeiden. Hierzu zählt der Belastungsstopp (Pause), lokale Kühlung (Eisanwendung), Kompression (Druckverband) und die Hochlagerung.
Akronyme mit hohem Wiedererkennungswert wurden geschaffen, um diese Erstmaßnahmen flächendeckend zu implementieren („PECH“ = Pause, Eis, Compression, Hochlagerung; englisch „ICE“ = Ice, Compression, Elevation; PRICE = Pause, Rest, Ice, Compression, Elevation).
Die langfristige Rehabilitation von Weichteilverletzungen ist jedoch komplexer. Oben genannte Konzepte (PECH, ICE, PRICE) konzentrierten sich vor allem auf die Akutphase und vernachlässigen spätere Heilungsstadien.
Moderne Leitbegriffe wie PEACE und LOVE decken den gesamten Rehabilitationsprozess ab – von der Erstversorgung bis zur weiteren Behandlung. Sie betonen Patientenaufklärung und psychosoziale Faktoren zur besseren Genesung. Entzündungshemmende Medikamente können zwar Schmerzen lindern, verhindern jedoch die optimale Gewebeheilung und sollten daher nicht routinemäßig eingesetzt werden (siehe weitere Artikel in meinem Blog). Ebenfalls wird auch die rasche Wiederaufbelastung im schmerzfreien Intervall und die adäquate Wiederaufnahme von sportlicher Aktivität nach der Akutphase (typischerweise ab Tag 4) betont.
P – PROTECTION Akuter Belastungsabbruch. Belastung nur im schmerzfreien Bereich
E – ELEVATION Hochlagerung der betroffenen Extremität (insbesondere Tag 1-3 nach der Verletzung)
A – AVOID ANTI-INFLAMMATORICS Vermeidung von NSAIR (Ibuprofen oder Paracetamol)
C – COMPRESSION Druckverband zur Vermeidung von Hämatomen (Tag 1-3), Elastokompressive Verbände zur Reduktion der Schwellung bis zur zweiten Woche
E – EDUCATION Information über die vorliegende Verletzung und Festlegung eines individuellen Schemas. Übertherapie vermeiden.
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L – LOAD rasche Wiederaufbelastung bei Schmerzfreiheit
O – OPTIMISM Stärkung der psychosozialen Faktoren durch Einbindung in Mannschaftstraining, Fokus auf den Wiedereinstieg
V – VASCULARISATION Durchblutungsfördernde Maßnahmen ab Tag 4 sowie Wiederaufnahme von Herz-Kreislauf-Aktivitäten (z.b. Cross-Trainer)
E – Exercise Nach Verletzungen von Muskel, Gelenken und Sehnen gilt: PEACE FOR THE STRUCTURE, LOVE FOR YOUR BODY!
Referenzen/Quellen:
Dubois B, Esculier JF. Soft-tissue injuries simply need PEACE and LOVE. Br J Sports Med. 2020 Jan;54(2):72-73. doi: 10.1136/bjsports-2019-101253. Epub 2019 Aug 3. PMID: 31377722.
Zhang BY, Zhang XH, Qian Y, Tang WB, Gao F, Zhou JB. Research Progress in Treatment Principles of Acute Closed Soft Tissue Injuries. Zhongguo Yi Xue Ke Xue Yuan Xue Bao. 2024 Dec;46(6):828-835. doi: 10.3881/j.issn.1000-503X.16073. PMID: 39773503.
Schwellus et al: Genetics and soft-tissue Injuries in Sport: a clinical commentary
Curr Sports Med Rep. 2011 May-Jun;10(3):126-7. doi: 10.1249/JSR.0b013e31821ac0eb. PMID: 21623298

