Habt ihr schon mal live zu 28.500 Menschen gesprochen?
Ich auch nicht. Bis letztes Wochenende:
Millerntor-Stadion, erster Spieltag der neuen Bundesliga-Saison 25/26. FC Sankt Pauli gegen Borussia Dortmund, Abendspiel, ein packendes Duell und wie so oft auf Sankt Pauli eine tolle Atmosphäre.
Vermutlich wird solch eine Rolle eher Sängern oder Comedians im Showbusiness zugeschrieben. Hier sind die Zuschauer dem Sprechenden auch wohlgesonnen, es geht um Entertainment und Spaß.
Mein kurzer Auftriff diente dazu, den im Stadion anwesenden Zuschauern Klarheit und Transparenz zu verschaffen über einen Vorgang, der auch mir live verborgen blieb. Ein Vorgang, den der VAR beurteilt hat und den ich am Monitor betrachten kann. Generell ist ein On-Field-Review mit Stress verbunden: In möglichst wenig Zeit soll am Bildschirm dennoch gründlich beurteilt und geprüft werden, was als „klarer Fehler“ auf dem Feld gilt. Mein Fehler – irgendetwas ist mir verborgen geblieben.
Das Ergebnis meiner Prüfung am Monitor soll hinterher in kurzen möglichst prägnanten Sätzen, langsam klar und deutlich, über Lautsprecher und die Stadion-Akkustik verständlich an die Zuschauer übermittelt werden.
Mein Ruhepuls ist üblicherweise bei 43/min, wenn ich stehe etwas über 60/min. Spaßeshalber habe ich nachgesehen: Im Moment der Durchsage bin ich bei 126 Schlägen pro Minute angekommen.
Das VAR-Team aus dem Kölner-Keller sagt: „Wir schalten dich live in 3, 2,1 und Go!“
Über mein Mikrofon sagt eine elektronische Stimme „Announcement on“. Ab da ist alles, was ich sage live im Stadion zu hören. Jedes Stocken, jeder Versprecher.
Ganz ohne kurzes Innehalten läuft es auch bei mir nicht, ein Störgeräusch tritt auf, dann ist es wieder weg. Mein letzter Satz geht fast im Jubel der Heimfans unter.
So beginnt die neue Bundesliga-Saison auch für mich mit einer Premiere, mein erstes „Public Announcement“. Wir Schiedsrichter hoffen so auf mehr Transparenz und Information unserer Entscheidungsfindung, vor allem wollen wir die Fans in Stadion erreichen und mitnehmen. Darum geht es: Verständnis füreinander, Raum haben Dinge zu erklären und unsere Sichtweise möglichst transparent darlegen.
Auf eine spannenden und faire neue Spielzeit 2025/2026

